Konzertbericht von Walter Müller

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Ich bin ehrlich gesagt mit gemischten Gefühlen zum Konzert des Otto Groote Ensemble am 19.September 2008 zum Gildehaus Bardowick gefahren. Gemischt deshalb, weil ich in diesem Jahr schon zwei wundervolle Konzerte - am 13. Juni in Buxtehude Theater im Hinterhof und am 30.April 2008 eine Veranstaltung des Kulturraumes Bardowick – erlebt hatte und ich leise befürchtete, dass der besondere Zauber dieser Konzerte für mich nicht mehr zu empfinden wäre, ich mir der Lieder überdrüssig geworden sein könnte, ich enttäuscht und leer zurück fahren würde – aber von dem ist nichts eingetreten: Dies Konzert mit dem würdigen Rahmen des Gildehauses Bardowick war noch eindringlicher, noch intensiver, noch erlebnisreicher als ich es mir zu wünschen gewagt hätte.

Plattdeutsche Musik muss nicht verstaubt sein, muss nicht kitschig sein – plattdeutsche Musik wie sie vom Otto Groote Ensemble vorgetragen wird, ist anders, die Texte sind aktuell, erzählen aus dem Leben, von der Liebe, von der Freude, die das Leben bringt, erwecken Träume und Hoffnungen, entführen in andere Zeiten und lassen den grauen Alltag vergessen. Sie zeigen sich auch mit sozialkritischen Themen, beschäftigen sich mit Ängsten, dem Tod dem normalen Alltag unserer und vergangener Zeiten und lassen die Besungenen lebendig werden.

Das Otto Groote Ensemble (Matthias Malcher, Banjo, Gitarren und Gesang, Ralf Strotmann, Bass und Gesang und Otto Groote, Gesang und Gitarre) spielt akustische Musik – wie es besser nicht sein kann. Mit wenigen Instrumenten wird eine atemberaubende Vielfalt und Dichte erzeugt - und immer wieder gelingt es Matthias Malcher (auch Produzent), mit Gitarre oder Banjo faszinierende Klänge zu zaubern. Der dreistimmige Gesang des Ensembles gibt den Songs eine besondere, zerbrechliche Note.

Die Wurzeln liegen in der irischen, schottischen und amerikanischen Folkmusik.

Otto Groote ist nicht nur ein begnadeter Folksänger, nein – er ist ein wirklicher Volkssänger mit einer Stimme, die nur so und nicht anders klingen kann, mit einer Stimme, die nicht leicht vergessen wird, die vertrauensvoll klingt, die fasziniert und Sehnsüchte, Hoffnungen Träume und Verstehen weckt – aber gleichzeitig auch zart und verletzlich wirken kann.

Otto Groote schreibt seine Lieder selbst, er interpretiert aber auch Lieder von anderen Künstlern oder vertont Gedichte von Autoren, deren Musik oder Texte ihn ansprechen und berühren. Er setzt sich intensiv mit den Texten und der Musik auseinander – fühlt und erlebt sie und gibt diesen Zauber an seine Zuhörer weiter

Die Atmosphäre im Gildehaus war gespannt und erwartungsvoll – die Luft knisterte.
Das Gildehaus wurde zum vertrauten Wohnzimmer, man saß miteinander und Otto Groote hob die Grenzen zwischen Bühne und Publikum mit seiner Stimme, seiner lockeren Art auf. Mit einem Augenzwinkern, humorvoll, ohne moralischen Zeigefinger und mit manchmal liebevoller Ironie erzählt er seine Geschichten in einer Mischung aus Hoch- und Plattdeutsch. Otto Groote erzählt nicht nur gern, er hat auch wirklich etwas zu sagen. In kürzester Zeit gab es keine Distanz mehr zwischen Publikum und Künstlern auf der Bühne.

Melodisch-sanft, warm, zart und verletzlich, dabei zugleich dynamisch und eindringlich trug Otto Groote die Lieder vor. Seine Stimme überrascht und fasziniert, sie weckt Sehnsüchte und Hoffnungen, Träume und Verstehen.

Drei Stunden verflogen – und am Ende waren nur die Musiker müde, das Publikum hätte noch weiter und weiter das Ensemble mit seiner faszinierenden und mitreißenden Spielfreude erleben können. Zwischen den Musikern und dem Publikum war eine freundschaftliche, familiäre Vertrautheit entstanden - alle waren glücklich und zufrieden.

Eines der schönsten Konzerte des Otto Groote Ensembles war zu Ende – mit Liedern aus den bisher zwei veröffentlichten CDs und neuen Songs.
Von den Liedern braucht keines besonders hervorgehoben zu werden, alle haben begeistert und beindruckt.

Ein Konzert, das nachklingt, das in den Köpfen und Herzen weiter schwingt, das den Wunsch nach einem neuen Konzert entfacht, dessen Melodien und Worte noch tagelang gesummt werden.

Die Welt sieht nach diesem Konzert ein wenig freundlicher aus.

Kurz gesagt: Ein wundervolles, eindrucksvolles und sehr schönes Erlebnis – und ich freue mich riesig auf das nächste Konzert.

Besonderen Dank an Karin Friedrich , die dieses Konzert im wunderschönen Gildehaus ermöglicht hat. (Dieser Beitrag wurde am 23.9.2008 im Liedermacher Forum veröffentlicht)

   
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