Otto Groote – Eine neue ostfriesische Stimme

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Der Mensch geht in seinem Leben manchmal verschlungene Wege. Insgesamt wählen wir intuitiv unseren, den richtigen Weg. Früher oder später aber reift dann die Erkenntnis, dass unsere Wurzeln von großer Bedeutung für uns sind.

Als ich Otto vor ein paar Wochen nach langer Zeit wieder traf, merkte ich sehr schnell, dass er zu seinen Wurzeln zurückgefunden hatte oder besser gesagt, zurückgekehrt war. Er erzählte mir mit einer Begeisterung von seiner Musik, die auf mich in hohem Maße ansteckend wirkte. Als ich ihn dann singen hörte, erzeugte er mit seiner angenehmen Stimme und seiner Musik sofort eine Stimmung in der ich mich zu Hause fühlte.

Seine Wurzeln liegen in Ostfriesland. Geboren wurde Otto Groote am 12. Oktober 1957 in Ostrhauderfehn. Ostrhauderfehn bildet auf der Landkarte zusammen mit Leer und Papenburg in etwa ein Dreieck. Schon in den achtziger Jahren machte Otto Musik und spielte in unterschiedlichen Folkformationen. In den letzten zwanzig Jahren widmete Otto sich der Bildhauerei, die er autodidaktisch ausübte. In diesem Bereich war er auch Assistent verschiedener Künstler. Das neue Jahrtausend führte ihn zurück zur Musik und zu seinen ostfriesischen Wurzeln.

Selbstverständlich hatte er neben der Bildhauerei nie aufgehört, Musik zu machen. Otto wollte aber nicht einfach nur dort weiter machen, wo er in den achtziger Jahren aufgehört hatte. Vielmehr verband er seine Musik mit seinen ostfriesischen Wurzeln. Und das, wie er es nennt, mit so viel “Erdung” wie möglich. Aus diesem Grund ist Otto auch im besten Sinn Liedermacher. Er schreibt seine Lieder selbst, sie sollen klar und ehrlich sein und er singt sie in ostfriesischem Platt. Otto interpretiert aber auch Lieder von anderen Künstlern oder vertont Gedichte von Autoren, die ihm wichtig sind. So begegnen wir in seinen Liedern Texten von Jan Cornelius, Helmut Debus und Oswald Andrae.

Wenn ich höre, wie er “Alleen”, ein Gedicht der ostfriesischen Autorin Gerda Ulpts-Janssen vertont hat, und mit seiner wunderbaren Stimme interpretiert, bemerke ich, wie intensiv er sich mit diesem Text auseinandergesetzt hat. "Alleen" thematisiert den Verlust und das Abschiednehmen von einem lieben Menschen.

Bei dem von ihm selbst geschriebenen und vertonten Lied "Bliev immer jung" ließ Otto sich von Bob Dylan und seinem Lied "Forever Young" inspirieren. Wenn ich es nicht schon gewußt hätte, worauf es im Leben ankommt, spätestens nach dem Hören dieses Liedes würde ich es wissen.

Wenn er das Lied “The Farm Auction” (Auktionator) des schottischen Singer/Songwriters Enoch Kent mit einem Text verknüpft, der seine eigenen Erfahrungen wiederspiegelt, dann spüre ich, dass das Gefühl des Abschiednehmens von Dingen, die mich in meinem Leben begleitet haben, nicht speziell schottisch oder ostfriesisch ist, sondern ein universales Gefühl ausdrückt.

Auch der Bremerhavener Autor Detlef Kolze hat es Otto angetan. Um den Inhalt der Gedichte "Helden" , "Nostalgie", "Leefsgedicht" und "Krabat" in seiner Vertonung möglichst authentisch zu transportieren, singt er sie nicht in seinem ostfriesischen Platt, sondern in dem in Bremerhaven gesprochenen Platt. Er bleibt damit ganz nah beim Autor.

Mit dem Lied "Iesmeerwellen", das übrigens vor kurzem erstmalig im Rundfunk gespielt wurde, dokumentiert Otto sein zurückgewonnenes ursprüngliches Verhältnis zur Heimat. In diesem von ihm geschriebenen und vertonten Lied kehrt Otto heim, dorthin wo er zu Hause ist: in't blaue Lücht vand't Nörden.

Otto hat eine sehr schöne Übertragung des Liedes "Roses from the wrong Man", das durch den schottischen Singer/Songwriter Iain McKintosh populär wurde (Text und Melodie sind von Christine Lavin), eingespielt. "Roosen van d' verkehrt Mann" : die schottischen Highlands grüßen hier die norddeutsche Tiefebene.

Jetzt fehlt doch noch etwas, was ich unbedingt erwähnen muss. Auch Otto hat ein Liebeslied für seine Liebste geschrieben. Es trägt den Titel "Rood is de Roos". Man nehme eine traditionelle schottische Melodie und eine gehörige Portion Liebe, die man der Liebsten schenken kann. Schon ist es fertig, das Liebeslied.

Vielleicht erscheint in diesem Monat doch noch die lange ersehnte Debut-CD "In't blaue Lücht von d' Nörden". Otto Groote wird am 21. Januar 2006 Lieder von dieser CD anläßlich des Konzertes "Iesmeerwellen" vorstellen. Auf der sechszehn Lieder umfassenden CD, wird Otto (Gitarre, Mundharmonika, Gesang) von seinen Musikerkollegen und Freunden Matthias Malcher (Gitarre, Bass, Banjo, Gesang), Stefan Igelmann (Geige, Bouzoukie, Bassbouzouki, Banjo) Wolfgang Hoffmann (Gitarre im Lied Auktionator), Ewald Igelmann (englische Concertina), Martin Czech (Banjo, Gesang in Rosen van verkehrt Mann und Möhlens v. Vandaag) und Joost van Es (Geige in Leefsgedicht) begleitet.

Autor: Peter Mioch (5. Januar 2006)

   
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