Martin Czech über Otto Groote

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Zu den ersten Folkkonzerten, die ich Ende der 70er Jahre, zu Zeiten der legendären Interfolk-Festivals, in Osnabrück besuchte, gehörte ein Konzert der Gruppe Moin aus Ostfriesland. Für mich das Konzert überhaupt, das mich zur Folkmusik gebracht hat. Einen tiefen Eindruck hatten Jutta Schmeck, Manfred Jaspers und Mense Schwitters da hinterlassen. Ihre Interpretation des Gedichtes “Min Vaderland” von Klaus Groth, Bilder wie “Denn glänz als Sülver unendli dat Meer...” hatte Moin in genialer Weise mit einer irischen Meldodie verbunden und so ein Gemälde des Nordens geschaffen.

Das ist fast 30 Jahre her, und Vergleichbares in der plattdeutschen Szene habe ich seitdem in dieser Güte vielleicht von Jan Cornelius oder Helmut Debus gehört.

Und dann sitzen wir Osnabrücker Folkmusiker im letzten Jahr bei der monatlichen Session im “Linnenschmidt” in Venne zusammen, viele musikalische Gäste sind da, wie immer auch neue Gesichter, und eine Stimme lässt uns aufhorchen: Da singt einer in bestem ostfriesischen Platt eine Version des schottischen Liedes “Wild Geese” und ein eigenes Stück: “Ismeerwellen”. Eine Stimme mit einer unglaublichen Warmheit, und gleichzeitig einer enormen Ausdruckskraft. Man stellt natürlich Vergleiche an: Hört der sich jetzt an wie Wader ? Oder Jasper ? Iain Mackintosh ? Oder gar Jaques Brel?

Alle Vergleiche taugen nichts. Otto Groote hört sich an wie Otto Groote. Der Kerl will sich auch gar nicht anhören wie sonstwer. Und die Texte und Melodien, die er schreibt, lassen Farben und Bilder vom Land im Norden Revue passieren, wie sie seit langem keiner mehr so zu malen verstanden hat. In Dänemark würde man vielleicht “hyggelig” dazu sagen: Lieder für lange, gemütliche Winterabende am Kamin. Eben “hyggelig”.

Als es darum ging, auf der neuen An Rinn-CD einen Beitrag in deutscher Sprache singen zu lassen, konnte die Wahl daher nur auf Otto Groote fallen. Seine Version des “Steigerliedes” muss man gehört haben ! Und als mich Otto Groote um einen musikalischen Beitrag für seine neue CD bat, war es eine Ehre für mich, mich in dieses Werk einbringen zu dürfen. Wer plattdeutsche Lieder in bester Tradition gleichzeitig aber moderner, handgemachter Interpretation hören will, dem sei die Musik Otto Grootes’ ans Herz gelegt!

Autor: Martin Czech

   
| Montag, 11. Dezember 2017 || Designed by: LernVid.com |