Gedanken zu Otto Groote von Stefan Igelmann

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Als ich eines Abends vor ca. 1 1/2 Jahren zur Folksession in Venne fuhr, ahnte ich noch nicht, dass ich dort Otto Groote treffen würde, einen Musiker, den ich heute zu meinen engsten Freunden zähle.

Bereits beim ersten Zusammentreffen faszinierte mich seine direkte und menschliche Art und sein eindrucksvoller Vortrag plattdeutscher Lieder.

Als ich dann noch entdeckte, dass uns auch das berufliche und private soziale Engagement und der Kampf gegen alle Arten von Diskriminierung verbindet, war es zu ersten gemeinsamen Aktionen nur ein kurzer Weg.

So bestritten wir gemeinsam mit den “Folk for Friends” ein Open-Air Konzert im Innenhof der Justizvollzugsanstalt Oldenburg-Mitte.

Ein eindrucksvolles Erlebnis, hohe Mauern mit Stacheldrahtverhau und die Menschen von innen zu erleben, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Anschliessend das gemeinsame Teetrinken in Ottos unkaputtbarem Domizil in Bremen; ein ehemaliger Hochbunker, denn er sich mit martialischer Eigenleistung bewohnbar gemacht hat; man stelle sich einmal Otto mit Presslufthammer angesichts 1,5 Meter starker Betonwände vor...

Heute weiss ich: Was Otto macht, macht er mit Konsequenz und maximalem Einsatz; im Beruf, wie auch künstlerisch als Bildhauer, plattdeutscher Dichter und Musiker.

Es war gewissermassen magnetische Anziehungskraft, die uns - als Menschen und insbesondere als Musiker - immer näher zueinander brachte.

Der gemeinsame Versuch, ohne künstlerische Abgehobenheit und Arroganz ehrliche Musik zu spielen, die Menschen anspricht und direkt in der Mitte trifft.

Nach ersten gemeinsamen Auftritten kann ich sagen, es bewegt uns beide innerlich tief, zusammen Musik zu machen und zu erleben, wie das Publikum immer konzentrierter und ruhiger wird, gespannt auf die nächste Strophe oder ein Instrumentalsolo hörend.

Ottos Lieder in Plattdeutsch haben für mich nichts Exotisches, sie sprechen einen lange vergessenen Teil meiner Lebensgeschichte an. Durch Otto habe ich mich wieder an die Gemütlichkeit gemeinsamer Abende an der Torf-befeuerten Kochmaschine in der Wohnküche meinen Grosseltern im Venner Moor zurückerinnert. Ich höre den warmen Klang ihrer Stimmen wieder...

Lange habe ich mich gefragt, worin die besondere Faszination von Ottos Liedern und Vortrag liegt.

Ich glaube es ist die Sehnsucht der Menschen, wieder Boden unter den Füssen zu spüren, die Suche nach Identität in einer Zeit zunehmender Entfremdung.

So gut wie die “Erdung” seiner Zuhörer, gelingt es Otto, zeitlose Lieder zu machen, die man aus den Konzerten mitnimmt, ständig vor sich hinsummt.

Wenn er z.B. ”Ik wünsch di all dat Beste”, oder “Von’t blaue Lücht von Nörden” oder bissig, satirisch von den ”Helden” an der Börse, den grossmäuligen Spekulanten singt.

Als mich Otto fragte, ob ich auf seiner neuen CD mitspielen möchte, musste ich keine Sekunde überlegen und habe spontan zugestimmt, ebenso wie ich es Otto wohl kaum ausschlagen könnte, als Begleitmusiker bei seinen Konzerten mitzuspielen.

Autor: Stefan Igelmann, 09.08.2005

   
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