Laudatio anlässlich der Verleihung des Bad Bevensen-Preises 2012

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Henk Scholte:

Laudatio Otto Groote
Ensemble Bad Bevensen Musikpreis 2012

Otto Groote, den wir hier heute ehren, ist ein Fackelträger der plattdeutschen Musik im 21. Jahrhundert.

Die Wiederentdeckung der Folkmusik in Deutschland im letzten Jahrhundert fiel zusammen mit dem
Aufleben der Volksmusik in vielen Ländern der Erde.
Otto Groote hat das damals schon wahrgenommen, hat sich aber trotzdem für eine andere Kunst entschieden: er wurde Bildhauer.

Nach der Jahrtausendwende aber entstand bei ihm ein neues Interesse an der Musik, und er wollte auf seine
eigene Weise etwas tun.
Denn die Einsamkeit im Atelier – und dann und wann einmal eine Ausstellung – das genügte ihm einfach nicht. Und er spürte das musikalische Talent, das in ihm steckte.

Und natürlich spürte er die Herausforderung, vor ein Publikum zu treten. Wir haben in Groningen ein
schönes Bild:
Er ist nicht über das Eis einer Nacht gegangen“ – er hat also nicht gesagt:

Na, das wird schon irgendwie klappen!“, – er hat mutig und auf eine neue Art und Weise einen wichtigen Impuls gegeben  und neues Interesse für das plattdeutsche Lied geweckt. Als Vertreter eines kleinen Sprachgebietes steht er da als Symbol für den mühevollen Kampf um kulturelle Eigenheit in einer globalisierten Welt.

Ein großer Verdienst besteht dann auch darin, dass Otto in sehr kurzer Zeit viele lebendige Kontakte aufgebaut hat mit einer ganzen Reihe von Musikanten und Schreibern in Deutschland wie im Ausland: die Niederlande, England, Dänemark, die USA seien hier genannt. Er ist eine wirklich einnehmende Persönlichkeit, und als grenzüberschreitender Brückenbauer bezieht er regelmäßig Gäste ein bei seinen Projekten und Konzerten. Otto ist inzwischen geradezu ein Bindemittel geworden, ein Bindeglied vieler Menschen, Dinge und Entwicklungen, die zusammengehören. Er arbeitet dabei deutlich von seiner Sicht der Dinge aus, mit seinem Blick auf die Welt, wobei für mich aber wichtig ist, dass Menschen wie Otto  sehr ernsthaft mit etwas beschäftigt sind, die aber genügend
Freiraum besitzen für Scherz, Humor und Phantasie.
Er arbeitet in der Tradition der Liedermacher / Singersongwriter mit einem starken Hang zu handgemachter Musik und hat dabei eine gute Nase und einen feinen Geschmack für Qualität und übersetzt neben seinen selbst geschriebenen Texten auch Lieder anderer Kollegen, denen er dann gerne seine eigene Klangfarbe gibt. 

Wenn man mit Gesang zu tun hat, dann muss man immer dazulernen und Otto weiß wie kein Zweiter, dass du dich mit deiner Stimme wie jeder Handwerker mit seinem Werkzeug und Material gebührend beschäftigen musst. Dass du besser werden musst.

Und er ist auch besser geworden in all den Jahren, die er als Liedermacher aktiv ist. Seine Lieder werden
spielerisch
mehr oder weniger für sich selbst stehende Miniaturen, eingefärbt durch saubere Arrangements.

Hierbei wird dann auch deutlich, dass ein Sänger auch eine Gruppe sein kann. Sein festes Ensemble sorgt dabei für ein reich sortiertes Angebot an Klangfarben. Des Weiteren überrascht Otto uns immer wieder mit authentischer, in der Tradition verwurzelter und offener Kunst, die sich auflehnt gegen kommerzielle Verflachung.

In Zeiten der heranrückenden Massenkultur schafft er es durch seine Kreativität und leichte, lockere Art die Bedeutung der niederdeutschen Sprache bewusst zu machen. In seinen Texten steht Vielfalt an erster Stelle und kennt keine Grenzen.Sein Motto, das auch meines ist:

Ein Lied singst du nie oder nie allein, ohne die andern geht  das nicht. Wir sind davon überzeugt, dass Otto Groote und sein Ensemble Matthias Malcher und  Ralf Strotmann – in die angesehene Liste der Preisträger unbedingt hineingehören.

Darum eine warme Huldigung dem Otto Groote Ensemble, das von so großer Bedeutung ist für seine Freunde, für sein Publikum und für die Streektaalmusik.

   
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